Mehr Artenvielfalt im Garten

Praktische Tipps für den naturnahen Garten und Balkon

Jeder von uns kann Lebensräume für Vögel und Insekten schaffen und damit etwas zur biologischen Artenvielfalt beitragen. Das geht oft ganz einfach und sogar auf kleinstem Raum. Ein naturnah gestalteter Garten oder Balkon bietet Tieren Platz zum Leben und reichlich Nahrung und uns Menschen eine blühende Oase. Hier ein paar Tipps, wie das gelingt – samt pdf-Printversion für den eigenen Ausdruck:

Pflanzenauswahl für den naturnahen Garten

An heimische Blühpflanzen, Stauden oder Gehölze sind unsere Insekten am besten angepasst. Allerdings müssen Blühpflanzen Pollen und Nektar ausbilden, um als Nahrung zu dienen. Deshalb sind gefüllte Sorten für den Garten ungeeignet. Am meisten geholfen ist den Tieren, wenn es das ganze Jahr über grünt und blüht. Wir empfehlen daher besonders Wildblumen und Wildkräuter sowie mehrjährige, heimische Stauden. Diese sind robust und pflegeleicht, wenn sie passend zum Standort und zur Bodenbeschaffenheit ausgewählt werden. Dichte Hecken wir z.B. der Weißdorn bieten vielen Insekten und Vögeln Lebensraum, Nahrung und Nistplätze.

Boden

Gerade Wildblumen bevorzugen magere Böden. Fette Böden sollten daher vor der Aussaat mit Sand oder Kies gemischt werden. Bitte verwenden Sie der Umwelt zuliebe nur torffreie Bio-Erde.

Aussaat und Pflanzung

Die Aussaat und Pflanzung findet in der Regel von April bis Ende Mai statt. Vor dem Säen wird der Boden vorbereiten, dazu gehören Aufgaben wie Bewuchs entfernen, Boden lockern und planieren sowie Samen zur besseren Verteilung eventuell mit Sand mischen und eindrücken. Zu Beginn müssen die Samen und Pflanzen gut gegossen werden und Gehölze sollten erst im Herbst gepflanzt werden.

Pflege und Düngung

Natürliche Gärten und Balkone sind mit ihren robusten Pflanzen sehr pflegeleicht. Zudem müssen Wildblumenflächen nur einmal jährlich gemäht werden. Bei Bedarf können Sie natürlichen Dünger wie Kompost, Gründünger und auch klein geschnittene Gemüse-/Obstschalen ausbringen. Gegen Schädlinge hilft Pflanzensud oder Pflanzenjauche.

Gartengestaltung

Es muss ja nicht gleich der ganze Garten neu angelegt werden. Selbst kleinste Wildblumenflächen im Rasen oder Ecken mit natürlicher Bepflanzung sind sehr nützlich. Wildblumen und Kräuter sind auch in Kübeln, Töpfen oder im Balkonkasten hübsch anzuschauen. Und sie bereichern sowohl den Speisezettel der Insekten als auch unseren mit ihren speziellen Aromen und gesunden Wirkstoffen. Bitte entfernen Sie nicht jedes vermeintliche „Unkraut“ . Gerade Wildpflanzen bieten unserer Tierwelt sehr gute Nahrungsquellen. Große Schotter-, Kies- oder Steinflächen passen nicht zu einem Naturgarten, denn sie versiegeln den Boden und heizen sich im Sommer sehr stark auf.

Der Garten als Lebensraum für Tiere

Trockene Stauden sollten Sie erst im Frühjahr abschneiden, denn sie bieten vielen Insekten ein geschütztes Winterquartier. Ebenso freuen sich Igel über Laub- und Reisighaufen in ruhigen Ecken. Natursteinmauern oder Steinaufschüttungen an sonnigen Stellen sind ideale Refugien für Eidechsen und andere Reptilien. Sie bieten – genauso wie kleine Sandflächen – Nistmöglichkeiten für einige Wildbienen. Totholz liefert gute Verstecke und Überwinterungsplätze für viele Tiere und auch Nistmöglichkeiten für Insekten. Nisthilfen in Form von Insektenhotels immer an sonnigen, vor Regen geschützten Plätzen anbringen und auf die richtige Gestaltung achten (Hartholz, glatte Bohrungen etc.).

Wer Schmetterlinge im Garten möchte sollte auch an Futterpflanzen für die Raupen denken. Hier bieten sich z.B. Disteln und Brennnesseln an. Alle Wildtiere freuen sich besonders im Sommer über Trinkschalen mit Wasser. Denken sie daran, dass Vogeltränken für Katzen nicht erreichbar sind.

Wichtiger Hinweis

Gift, chemische Dünger und Schneckenkorn sind gerade in einem naturbelassenen Garten absolut tabu. Es ist mittlerweile erwiesen, dass sie Mensch, Tier und Umwelt schaden. Auch Laubbläser und -sauger sowie Mähroboter haben hier nichts zu suchen, weil sie viel zu viele Tiere das Leben kosten.

Saatgut und Pflanzenkauf

Samen und Pflanzen aus dem Baumarkt oder Gartencenter sind nur bedingt zu empfehlen. Hier einige persönliche Empfehlungen als Bezugsquelle für Biopflanzen und Samen von den Mitgliedern unseres Arbeitskreises SOS Natur:

Umfangreiche Pflanzlisten für Garten und Balkon mit ausführlichen Angaben zu Blühzeit, Farbe, Größe, Standort und für welche Insekten sie geeignet sind unter www.bluehende-landschaft.de/fix/doc/NBL-14-Staudenliste-2016.2.pdf.

Literatur-Tipps

  • Blütenpflanzen und ihre Gäste, Teil 1+2, H. Hintermeier
  • Das Wildpflanzentopfbuch, Dr. Reinhard Witt, Bestellung über: www.reinhard-witt.de
Artenvielfalt im Garten